Nachwuchspreis

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Herbart und die Empirie - Ausschreibung des Nachwuchspreises 2017

Auf ihrer 9. internationalen Tagung, die vom 27.03.2017 bis 29.03.2017 im Maison Heinrich Heine, Paris (in Kooperation mit der Université d’Artois) stattfindet, möchte die Internationale Herbart-Gesellschaft erneut einen Nachwuchsweis vergeben, dieses Mal zum Thema „Herbart und die Empirie“.

Die grundlegende Bedeutung der Empirie im Werk von Herbart, sowie sein Einfluss auf empirische Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert in der Philosophie, Pädagogik, Psychologie, Physiologie, Soziologie sind zwar aus Herbarts Schriften verschiedentlich bekannt, doch bis heute zugunsten einer breiteren Herbart-Rezeption unzureichend vermittelte Tatsachen. Auseinandersetzungen mit dem absoluten Idealismus seiner Zeit, wie ihn nicht zuletzt Fichte zunächst eindringlich repräsentierte, und darin eingeschlossene Antagonismen zwischen Denken und Erfahren, führten Herbart zur Empirie als eine unverzichtbare Voraussetzung realistischer Konzepte nicht nur in der Philosophie, sondern für Konzepte und Erkenntnisse über den Menschen und die Gesellschaft.

Herbart ist Bestandteil der Geschichte des Empirismus. Über die Philosophie hinaus entwickelte er Beiträge, die im 19. Jahrhundert zum Standard von Bemühungen um eine empirische oder sogar naturwissenschaftliche Psychologie gehörten. Ausgehend von der Mathematik und dem Experiment als die beiden Elemente neuzeitlicher Naturwissenschaft, versuchte Herbart eine Vermittlung zwischen mathematischer Psychologie und empirischer Physiologie. Modernere Entwürfe späterer Neurologie, Psychiatrie und Psychoanalyse verweisen immerhin auf eine paradigmatische Bedeutung seiner Problemstellungen.

Die Psychologie von Herbart ist im Kontext seiner Schriften eng an die Pädagogik gebunden. Von einer wissenschaftlichen Psychologie her erhoffte sich Herbart haltbare Erkenntnisse über Möglichkeiten und Grenzen einer notwendigen moralischen Bildung heranwachsender Menschen durch erziehenden Unterricht. Einige hier von Herbart gewonnene Einsichten werden bis in die Gegenwart als Propädeutik herangezogen. Zudem wird versucht Vermittlungen aufzustellen zwischen Herbarts „psychologischer Pädagogik“ und neuen Erkenntnissen, wie bspw. aus der Neurologie.

Weitgehend unumstritten und vergleichsweise umfassender untersucht ist der Zusammenhang von Herbart und der Empirie auf dem Gebiet der Pädagogik. In dieses Forschungsfeld aber gehören nicht allein Herbarts Bestreben und seiner Nachfolger um die Etablierung einer wissenschaftlichen Pädagogik und Lehrerbildung, sondern auch die empirischen oder praktischen Beschreibungen der Erziehung, des Unterrichts, der Bildung des jungen Herbart als Hauslehrer, sowie weiterhin eine bis heute anhaltende Integrierung herbartianischer Ansätze in pädagogische Wissenschaft und Praxis. Dabei geht es um „ästhetische Bildung“, „Interesse“, „Aufmerksamkeit“, „Artikulation des Unterrichts“, „programmiertes Lernen“, „Stufen“ und „Formalstufen“ des Unterrichts, „Experimentieren“ der Kinder beim Lernen, sowie nicht zuletzt den „pädagogischen Takt“ als Vermittlung zwischen Pädagogik als wissenschaftlicher Theorie und empirischer Praxis. Die Verbindung von Herbart mit empirischer Pädagogik zeigt somit in besonderer Weise historische und aktuelle Bedeutungen des Herbartianismus – schwankend zwischen vergessener Wissenschaftsgeschichte und neueren Wissenschaftsentwicklungen.

Letzteres träfe auch für Herbart hinsichtlich einer Erziehungswissenschaft in Kontexten der Gesellschaftswissenschaft, Sozialwissenschaft, Soziologie, also auch empirisch sozialwissenschaftlicher Forschung zu. Und schließlich: Kaum berücksichtigt worden ist, dass die mathematische Metaphysik von Herbart anscheinend im empirischen Materie- und Raumverständnis der Physik des 20. Jahrhunderts eine Beachtung gefunden zu haben scheint.

Neben dazu vorliegenden Untersuchungen bleibt das Thema „Herbart und die Empirie“ weiterhin ein Forschungsdesiderat, sowie damit auch eine Möglichkeit für wissenschaftlich innovative Darstellungen. Die Internationale Herbart-Gesellschaft möchte daher einen Nachwuchspreis für entsprechende Beiträge ausschreiben, die sich diesen beiden Thematiken zuwenden:

(1) Die Empirie in der Philosophie, Pädagogik, Psychologie oder im Werk von Herbart insgesamt.

(2) Die Bedeutung Herbarts für empirische Entwicklungen in den Geistes-, Sozial- und Humanwissenschaften seit dem 19. Jahrhundert – einschließlich praktischer Anwendungen, Beschreibungen, Darstellungen wie bspw. über Erziehung, Unterricht, Schule.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in Qualifikationsphasen befinden oder diese kürzlich abgeschlossen haben, sind somit aufgerufen, sich bis zum 1. Dezember 2016 mit einem Beitrag von 15-20 Seiten zu bewerben. Bitte senden Sie Ihren Beitrag per Email an Dr. Alexandra Schotte (E-Mail: alexandra.schotte@uni-due.de).

Alle fristgerecht eingegangenen Beiträge werden an eine Jury weitergeleitet, die autonom entscheidet und eine Reihung vornimmt.

Der von der Herbart-Gesellschaft gestiftete Preis, den die Jury ggf. nach eigenem Ermessen auch auf mehrere Preisträger verteilen kann, ist mit 1000,00 € dotiert.

Im Rahmen eines eigenen Vortragsblocks innerhalb des Tagungsprogramms erhalten die besten Bewerberinnen und Bewerber die Möglichkeit zum Vortrag. Zudem werden diese von der Jury ausgewählten Beiträge in den Tagungsband aufgenommen. Die Entscheidung über die Vortragsannahme wird den Bewerberinnen und Bewerbern rechtzeitig zur Tagungsanmeldung bekannt gegeben. Aus dem Kreis dieser Nominierten ermittelt die Jury schließlich den Preisträger bzw. die Preisträgerin. Die Bekanntgabe und Würdigung erfolgt unmittelbar im Anschluss an die Vorträge der Nominierten. 

Die Ausschreibung des Nachwuchspreises können Sie auch als PDF-Version herunterladen.

 

Preisträger/innen

2013: Dr. Claudia Stöckl (Gerdenitsch) (Karl-Franzens-Universität Graz) mit ihrem Aufsatz "Musikpädagogische Zugänge zu den 'einheimischen Begriffen' der Pädagogik".